Niemandslandsmann und Niemandslandschwester. Eine Begegnung
Von einem „Hunger zu Hünger“ ist die Rede in Wilhelm Bartschs Gedichtband Hohe See und niemands Land (Wallstein). Damit ist das Lektüreverlangen nach dem gemeint, was aus der Feder von Nancy Hünger stammt – wie etwa die lyrische Prosa 4 Uhr kommt der Hund (Edition Azur). Gegenseitige Wertschätzung verbindet Bartsch und Hünger ebenso wie das poetische Interesse an Themen wie Liebe und Abschied sowie Selbst- und Weltverlust.
Wenn der Mensch nicht mehr aus der verheerenden Abwärtsspirale eines „ewigen novemberns“ hinausfindet und unter die Aufsicht von „aufpassern und kitteln und schwesterntieren und nachtwachen“ geht, dann wird er seine Bewegungsfreiheit und Subjekthaftigkeit aus der Poesie seines Kopflandes zu beziehen versuchen. Das ist sein fragiler Widerstand gegen die eigene Krankheit. Und wenn er kann, dann wird er bis nach Ginnungagap ausgreifen und mit der altnordischen Sagenwelt der Edda den leeren Raum am Anfang allen Weltgeschehens setzen. Ein Kopfland ist immer auch ein Niemandsland, und die es bereisen, sind ein „Niemandslandsmann“ und eine „Niemandslandschwester“. Wilhelm Bartsch trifft auf Nancy Hünger.
Historische Villa Metzler
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt am Main
Eintritt
10/5 Euro