Der weite Raum des Langgedichts
In diesem Frühjahr sind mit Die Winterschwimmerin. Verslegende (Suhrkamp) von Marion Poschmann und Der Große Wagen (Schöffling) von Nadja Küchenmeister zwei Langgedichte erschienen, die ein kunstvolles Spiel mit dieser Mischform betreiben, der sie viel, aber nie zu viel abverlangen. Die Gedichte folgen einer inneren Bewegung, die gleitend das scheinbar Divergente ineinander blendet und so dem Gewesenen und Geträumten eine unmittelbare Präsenz gibt. Daraus entstehen eindrückliche Bilderfolgen, die eine große Fülle auf engstem Raum versammeln. Seien es, wie bei Nadja Küchenmeister, biografische Momentaufnahmen aus Berlin, Lissabon und Köln, in denen Kindheit, eine Liebe und die Arbeit verortet sind, oder, wie bei Marion Poschmann, die Imagination eines friedlichen Tigers, der einer Winterschwimmerin begegnet und mit ihr in stiller Eintracht am Ufer rastet; immer wird ein weiter Bogen geschlagen, in dem Erzählendes und Erinnertes sich zu einem faszinierenden Ganzen fügen. Mit ihrer Formenvirtuosität und ihrem Anspielungsreichtum verbinden die Gedichte poetisches Denken mit leuchtender Sinnlichkeit.
Museum Giersch der Goethe-Universität
Schaumainkai 83
60596 Frankfurt am Main
Eintritt
10/5 Euro